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Ratgeber · BGB & PAngV 2026

Gemeinsam Kredit aufnehmen: Vorteile und Risiken

Wann zwei Kreditnehmer günstigere Konditionen bekommen, was bei Trennung passiert und warum die gesamtschuldnerische Haftung kein Risiko-Splitter ist.

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Von Eike-Christian Ramcke

Geschäftsführer AKARA Solutions GmbH · Inhaltlich Verantwortlicher gem. § 18 Abs. 2 MStV

8 min Lesezeit Veröffentlicht

Was "zwei Kreditnehmer" rechtlich bedeutet

Wenn zwei Personen einen Kreditvertrag gemeinsam unterschreiben, sind sie nach § 421 BGB Gesamtschuldner. Das bedeutet: Die Bank kann von jedem Kreditnehmer den vollen geschuldeten Betrag verlangen, nicht nur die anteilige Hälfte.

Praktisch heißt das: Wenn der eine zahlen kann und der andere nicht, muss der Solvente die volle Rate zahlen, im Innenverhältnis können die beiden später Ausgleich verlangen (§ 426 BGB), das hilft aber gegenüber der Bank nicht.

Warum Banken zwei Kreditnehmer schätzen

Aus Sicht der Bank ist die gesamtschuldnerische Haftung wertvoll, weil das Ausfallrisiko sinkt. Die Bank kann auf zwei Vermögen zugreifen, und die Wahrscheinlichkeit, dass beide gleichzeitig in finanzielle Schwierigkeiten geraten, ist statistisch geringer.

Diese geringere Risikoeinschätzung schlägt sich in besseren Konditionen nieder, typisch 0,3-0,5 Prozentpunkte unter dem Einzelkredit.

Beispielrechnung: Konditions-Vorteil bei Doppel-Kreditnehmern

80.000 € Modernisierungskredit auf 120 Monate, beide Kreditnehmer mit Schufa-Score 95:

VarianteEffektivzinsMonatsrateGesamtkosten
Einzelkredit (Ehemann allein)5,2 %853,84 €102.461 €
Doppelkredit (Eheleute)4,8 %844,48 €101.338 €
Differenz0,4 %-Punkte9 €/Monat1.123 € weniger

Wann zwei Kreditnehmer Pflicht sind

Bei Hypothekendarlehen verlangen Banken oft die Mitverpflichtung beider Eheleute oder Lebenspartner, auch wenn nur einer Hauptverdiener ist. Hintergrund: Die Immobilie ist meist im gemeinsamen Eigentum, und die Bank will sicherstellen, dass beide für den Kredit haftbar sind.

Bei höheren Ratenkrediten ab ca. 30.000 € fordern Banken die Mitverpflichtung des Ehepartners, wenn das Einkommen des Hauptantragstellers allein nicht reicht.

Was die gesamtschuldnerische Haftung im Alltag bedeutet

Während intakter Beziehung

In der Praxis zahlt meist einer der Partner aus dem gemeinsamen Konto die Rate, und niemand denkt über die Haftung nach. Solange Geld da ist, ist alles unproblematisch.

Bei Streit ums Geld

Wenn ein Partner die Zahlung verweigert, muss der andere trotzdem zahlen, sonst droht Schufa-Eintrag und Kreditkündigung. Im Innenverhältnis kann der zahlende Partner den anderen auf Ausgleich verklagen (§ 426 BGB), das ist aber ein separater Rechtsstreit.

Bei Trennung oder Scheidung

Hier wird es kompliziert. Die Bank ist nicht verpflichtet, einen Kreditnehmer aus dem Vertrag zu entlassen. Beide Partner bleiben gesamtschuldnerisch haftbar, auch wenn nur einer die Immobilie weiternutzt.

Es gibt drei Optionen bei Trennung:

  1. Kredit wird gemeinsam weitergeführt: beide haften weiter, im Innenverhältnis Ausgleichszahlungen
  2. Kredit wird umgeschrieben: einer übernimmt allein, die Bank muss zustimmen, oft Bonitätsprüfung neu
  3. Kredit wird abgelöst: Immobilien-Verkauf, Restschuld wird mit Erlös getilgt

Die Tücken der Trennung

Kommt es zur Trennung und ein Partner zieht aus, bleibt er trotzdem voll mithaftbar. Wenn der verbliebene Partner später zahlungsunfähig wird, klopft die Bank beim Ausgezogenen an, der dann oft schon eine neue Wohnung mit eigenem Mietvertrag finanziert.

Daher: Bei Trennung den Kreditvertrag aktiv klären, nicht nur das interne Verhältnis. Die Verbraucherzentralen empfehlen frühzeitige Verhandlung mit der Bank über Umschuldung auf einen Namen.

Beispiel: Was passiert bei Insolvenz eines Kreditnehmers?

Ehepaar nimmt 100.000 € Kredit auf. Nach 3 Jahren wird der Mann arbeitslos und meldet Privatinsolvenz an. Die Bank wendet sich an die Frau, die jetzt alleine die volle Rate von 800 € pro Monat aus ihrem Einkommen aufbringen muss.

Im Insolvenzverfahren des Mannes wird der Bank-Kredit als Verbindlichkeit berücksichtigt, allerdings hat die Bank während der 6-jährigen Wohlverhaltensphase nur Anspruch auf den pfändbaren Anteil. Die Frau zahlt also de facto den Großteil allein.

Verlobte und nicht-verheiratete Paare

Banken vergeben Kredite an zwei nicht-verheiratete Personen, wenn beide solvent sind. Die gesamtschuldnerische Haftung wirkt identisch zu Eheleuten, aber rechtliche Schutzmechanismen (Zugewinnausgleich, gesetzliches Erbrecht) fehlen.

Daher: Bei nicht-verheirateten Paaren mit Kredit unbedingt einen Innen-Verhältnis-Vertrag aufsetzen, der die Aufteilung bei Trennung regelt. Ein Notar kostet ~200-400 €, kann aber im Streitfall fünfstellige Beträge sparen.

Eltern und Kinder als Kreditnehmer

Eltern können gemeinsam mit Kindern (oder Großeltern mit Enkeln) einen Kredit aufnehmen, das wird oft genutzt, wenn das junge Familienmitglied selbst keine Bonität hat. Vorteile: günstigere Konditionen, Kreditzugang. Nachteile: bei Tod der Eltern geht die Mithaftung auf die Erben über, was den jungen Kreditnehmer in Schwierigkeiten bringen kann.

Geschwister als Kreditnehmer

Weniger üblich, aber rechtlich möglich. Banken sehen Geschwister-Kredite oft kritischer, weil keine eheähnliche Wirtschaftsgemeinschaft besteht. Konditionen-Vorteil kann geringer ausfallen als bei Eheleuten.

Alternative zu zwei Kreditnehmern: Bürgschaft

Statt zweier Kreditnehmer kann ein Bürge in den Vertrag aufgenommen werden (§§ 765 ff. BGB). Unterschied:

  • Bürge: haftet nachrangig nach dem Hauptschuldner, Bank muss erst den Hauptschuldner verklagen (Einrede der Vorausklage, § 771 BGB)
  • Mitkreditnehmer: haftet gleichrangig, Bank kann direkt zugreifen

Bürgschaft ist für den Bürgen schwächer (geringeres Risiko), gibt aber meist nicht den gleichen Konditions-Vorteil wie Mitkreditnehmer. Banken bevorzugen daher meist Mitkreditnehmer.

Steuerliche Aspekte

Wenn der Kredit für eine vermietete Immobilie verwendet wird, sind die Schuldzinsen als Werbungskosten absetzbar (§ 9 EStG). Bei zwei Kreditnehmern erfolgt die Zuordnung entsprechend der Verteilung der Vermietungs-Einkünfte. Bei selbstgenutzter Immobilie sind die Zinsen nicht absetzbar.

Checkliste: Vor der gemeinsamen Kreditaufnahme

  1. Sind wir uns einig über die finanzielle Planung der nächsten 10+ Jahre?
  2. Was passiert bei Trennung mit der Immobilie/dem Kredit?
  3. Welche Reserven hat jeder von uns, falls einer ausfällt?
  4. Brauchen wir einen Innen-Vertrag (besonders bei nicht-verheirateten Paaren)?
  5. Restschuldversicherung sinnvoll, um Tod/Berufsunfähigkeit eines Partners abzusichern?
  6. Konditions-Vergleich Einzel-vs-Doppel-Kredit bei der Bank anfordern

Zusammenfassung

  • Zwei Kreditnehmer bekommen oft 0,3-0,5 Prozentpunkte günstigere Konditionen
  • Aber: gesamtschuldnerische Haftung nach § 421 BGB - jeder haftet für den vollen Betrag
  • Bei Trennung bleibt die Mithaftung bestehen, auch wenn nur einer die Immobilie nutzt
  • Bei nicht-verheirateten Paaren: Innenverhältnis-Vertrag absolut empfehlenswert
  • Alternative Bürgschaft ist für den Mit-Verpflichteten schwächer, aber meist nicht so konditions-stark
Gesamtschuldnerische Haftung nach § 421 BGB: Bank kann jeden für die volle Summe in Anspruch nehmen BANK Forderung 100.000 € 100 % 100 % Kreditnehmer A Haftung 100.000 € Kreditnehmer B Haftung 100.000 € Innen-Ausgleich nach § 426 BGB (typ. 50:50)
Im Außenverhältnis haftet jeder für die volle Forderung. Im Innenverhältnis (§ 426 BGB) gilt typisch 50:50, sofern nichts anderes vereinbart wurde.

Quellen

§ 421 BGB (Gesamtschuldnerische Haftung); § 426 BGB (Innen-Ausgleich); §§ 765 ff. BGB (Bürgschaft); § 771 BGB (Einrede der Vorausklage); BGH XI ZR 165/07 zur Sittenwidrigkeit von Bürgschaften naher Angehöriger; § 9 EStG (Schuldzinsen als Werbungskosten bei Vermietung).

Häufige Fragen

Was Leserinnen und Leser sonst noch fragen

Was bedeutet "gesamtschuldnerische Haftung"?
Nach § 421 BGB haften beide Kreditnehmer für die gesamte Forderung, nicht nur für ihren Anteil. Wenn ein Partner nicht zahlt, kann die Bank den anderen für die volle Summe in Anspruch nehmen, unabhängig davon, wem das Geld konkret zugutekam. Im Innenverhältnis gilt typischerweise 50:50, sofern nichts anderes vereinbart ist.
Welche Vorteile haben zwei Kreditnehmer?
Doppeltes Einkommen erhöht die Kapitaldienstfähigkeit, oft günstigere Konditionen. Banken werten zwei verdienende Kreditnehmer als reduziertes Ausfallrisiko, das schlägt sich im Effektivzins nieder, typisch 0,3 bis 0,8 Prozentpunkte günstiger. Außerdem höhere Kreditsumme möglich, weil das Gesamteinkommen zählt.
Was passiert bei Trennung?
Die Haftung gegenüber der Bank bleibt unverändert, beide bleiben gesamtschuldnerisch. Im Innenverhältnis können die Partner eine Aufteilung vereinbaren, dies bindet aber die Bank nicht. Praktisch wird oft umgeschuldet: einer übernimmt den Kredit allein, der andere wird durch eine Vereinbarung mit der Bank entlassen, sofern die Bonität des Übernehmenden ausreicht.
Kann ich als zweiter Kreditnehmer aussteigen?
Nur mit Zustimmung der Bank. Eine einseitige Kündigung ist nicht möglich, weil der Vertrag bilateral wirkt. Die Bank wird nur zustimmen, wenn der verbleibende Kreditnehmer die Bonität allein nachweist. Oft wird in dem Zuge eine Umschuldung vereinbart, neue Konditionen, neuer Vertrag, der alte wird abgelöst.
Brauche ich für einen gemeinsamen Kredit eine Ehe?
Nein. Zwei beliebige Personen (auch unverheiratet, auch nicht-verwandt) können gemeinsam einen Kredit aufnehmen, sofern beide volljährig und geschäftsfähig sind. Banken prüfen Bonität beider Personen einzeln. Für die rechtliche Konstruktion ist die Beziehung der Personen zueinander irrelevant. Bei Trennung kann das aber zu praktischen Komplikationen führen, deshalb empfehlenswert: schriftliche Innenvereinbarung vorab.

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