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Ratgeber · BGB & PAngV 2026

Zinsbindung läuft aus: Anschlussfinanzierung clever planen

Wie Sie die Anschlussfinanzierung 3-5 Jahre vor Zinsbindungs-Ende planen, was Forward-Darlehen kosten und wann der Bankenwechsel sich lohnt.

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Von Jan-Tristan Rudat

Redakteur kreditrechner-berechnen.de

9 min Lesezeit Veröffentlicht

Was die Zinsbindung leistet

Die Zinsbindung ist die vertraglich festgeschriebene Zeit, in der der Zinssatz eines Kredits garantiert unverändert bleibt. Sie schützt Sie vor steigenden Zinsen, verhindert aber auch das Profitieren von fallenden Zinsen. Bei Privatkrediten ist die Zinsbindung meist identisch mit der Gesamtlaufzeit. Bei Immobilienkrediten ist sie typischerweise kürzer als die Gesamtlaufzeit, dort wird die Zinsbindung getrennt vereinbart.

Typische Zinsbindungs-Dauern

ZinsbindungTypisch fürZinsaufschlag
5 JahreJunge Käufer, kurze PlanungNiedrigster Zins
10 JahreStandard-Variante+0,3-0,5 %-Punkte
15 JahreRisikobewusste Käufer+0,5-0,8 %-Punkte
20 JahreMaximale Sicherheit+0,8-1,2 %-Punkte
25-30 JahreVoll-Tilgung+1,0-1,5 %-Punkte

Je länger die Zinsbindung, desto höher der Aufschlag, weil die Bank das Zinsänderungsrisiko trägt.

Sonderkündigungsrecht nach § 489 BGB

Ein wichtiger gesetzlicher Schutz: Nach 10 Jahren ab Vollauszahlung können Sie jeden Festzins-Kredit mit 6 Monaten Frist ohne Vorfälligkeitsentschädigung kündigen. Das gilt unabhängig von der vereinbarten Zinsbindung.

Konkret: Wenn Sie 2026 einen Kredit mit 20 Jahren Zinsbindung abschließen, können Sie ab 2036 jederzeit aussteigen. Sie behalten damit Flexibilität auch bei langer Zinsbindung.

Anschlussfinanzierung: drei Wege

Wenn die Zinsbindung ausläuft, gibt es drei Optionen:

1. Prolongation (bei der eigenen Bank bleiben)

Die einfachste Option: Sie unterschreiben das Angebot der eigenen Bank für die Verlängerung. Vorteile: kein Aufwand, keine neuen Unterlagen, keine neue Schufa-Abfrage. Nachteil: meist nicht das beste Angebot, weil keine Wettbewerbssituation.

2. Umschuldung (Bankenwechsel)

Sie holen mehrere Angebote bei anderen Banken ein und wechseln zum besten Anbieter. Die neue Bank löst die Restschuld der alten ab und nimmt die Hypothek-Eintragung an (Grundschuld-Abtretung). Aufwand: 5-10 Stunden für Vergleich, neue Unterlagen, Notar-Termin. Ersparnis kann jedoch fünfstellig sein.

3. Forward-Darlehen (Zinsen sichern, später auszahlen)

Sie sichern bereits 1-5 Jahre vor Auslauf der Zinsbindung den aktuellen Zinssatz, die Auszahlung erfolgt erst beim tatsächlichen Auslauf. Die Bank verlangt einen Forward-Aufschlag (typisch 0,01-0,03 %-Punkte pro Monat Vorlauf). Lohnt sich, wenn deutlich steigende Zinsen erwartet werden.

Beispielrechnung: Anschlussfinanzierung 150.000 €

Hypothek 300.000 €, 10 Jahre Zinsbindung mit 1,5 %, 2 % Tilgung. Restschuld zum Ende der Zinsbindung: rund 254.000 €. Anschlussfinanzierung gebraucht: 254.000 €.

VarianteEffektivzinsMonatsrateGesamtkosten 10 Jahre
Prolongation Hausbank4,4 %1.342 €161.040 €
Bestes Angebot Konkurrenz3,9 %1.272 €152.640 €
Differenz0,5 %-Punkte70 € / Monat8.400 € Ersparnis

Wer den Vergleich nicht macht, schenkt der eigenen Bank fast 9.000 €.

Forward-Darlehen: Wann sinnvoll?

Ein Forward-Darlehen ist eine Wette auf steigende Zinsen. Faustregel: Wenn die aktuelle Zinskurve eine Steigung von mehr als 0,3 %-Punkten pro Jahr erwartet, ist ein Forward-Darlehen mit 3 Jahren Vorlauf günstiger als die spätere Marktentwicklung.

Aktuell (Mai 2026) sind die Zinsen volatil. Ein Forward-Darlehen kostet typisch 0,02 %-Punkte pro Monat Vorlauf, also bei 36 Monaten 0,72 %-Punkte Aufschlag.

Timeline: Anschlussfinanzierung richtig planen

  1. 5 Jahre vor Ende der Zinsbindung: erste Marktbeobachtung, Forward-Darlehen erwägen
  2. 3 Jahre vor Ende: maximal sinnvoller Zeitpunkt für Forward-Darlehen
  3. 12 Monate vor Ende: Angebote einholen, Schufa-Selbstauskunft anfordern
  4. 6 Monate vor Ende: Entscheidung treffen, Vertrag unterschreiben, Grundschuld-Abtretung organisieren
  5. 3 Monate vor Ende: Sonderkündigungsrecht der eigenen Bank fristgerecht nutzen
  6. Auslauf-Tag: nahtloser Übergang in die neue Finanzierung

Unterlagen für die Anschlussfinanzierung

Die neue Bank verlangt im Wesentlichen dieselben Unterlagen wie bei der Ursprungs-Finanzierung:

  • Aktuelle Einkommensnachweise (3 Monate)
  • Aktueller Schufa-Score (bei einigen Anbietern auch von der Bank direkt abgefragt)
  • Grundbuchauszug (nicht älter als 3 Monate)
  • Restschuldbestätigung der bisherigen Bank
  • Versicherungsnachweise (Wohngebäudeversicherung)

Häufige Fehler bei der Anschlussfinanzierung

  • Zu spät anfangen: 3-6 Monate Vorlauf reicht oft nicht für sauberen Bankenwechsel
  • Nur ein Angebot einholen: ohne Vergleich kein Argument für die eigene Bank
  • Nur Sollzins vergleichen: Effektivzins ist entscheidend (siehe Ratgeber dazu)
  • Tilgungsrate beibehalten: bei höherem Einkommen kann jetzt mehr getilgt werden, das spart erheblich
  • Bauspardarlehen ungeprüft akzeptieren: Bausparkassen haben oft schlechtere Konditionen als reine Banken
Forward-Aufschlag steigt linear mit Vorlaufzeit, ab 36 Monaten oft nur noch begrenzt sinnvoll 0,0 % 0,5 % 1,0 % 0 Mon 24 Mon 48 Mon Vorlaufzeit Forward-Darlehen 12 M: +0,25 % 24 M: +0,50 % 36 M: +0,75 %
Typischer Forward-Aufschlag in 2026: etwa 0,02 Prozentpunkte pro Monat Vorlaufzeit. Bei stark steigenden Zinsen kann das günstig sein, in stabilen Phasen nicht.

Quellen

§ 489 BGB (10-Jahres-Sonderkündigungsrecht); BGH XI ZR 17/15 (Forward-Aufschlag-Klauseln); Stiftung Warentest Finanztest, Vergleich Anschluss­finanzierungen Q1 2026; BaFin, Merkblatt "Anschlussfinanzierung planen".

Häufige Fragen

Was Leserinnen und Leser sonst noch fragen

Wann soll ich mit der Anschlussfinanzierung beginnen?
Spätestens 12 Monate vor Zinsbindungs-Ende vergleichen, ab 36 Monaten vorher kann ein Forward-Darlehen die aktuellen Zinsen sichern. Banken sind nach BGH-Rechtsprechung verpflichtet, Anschlussangebote rechtzeitig zu unterbreiten, in der Praxis kommen sie oft erst 3-6 Monate vor Ablauf. Wer früh vergleicht, hat Verhandlungsspielraum.
Was ist ein Forward-Darlehen und was kostet es?
Ein Kreditvertrag, der heute abgeschlossen wird und in 1 bis 5 Jahren auszahlt. Der Zinssatz wird sofort festgeschrieben. Kosten: ein Forward-Aufschlag, typischerweise 0,01 bis 0,03 Prozentpunkte pro Monat Vorlaufzeit. Bei 24 Monaten Forward = +0,24 bis +0,72 Prozentpunkte. Lohnt, wenn man steigende Zinsen erwartet.
Kann ich nach der Zinsbindung den Anbieter wechseln?
Ja. Nach § 489 BGB ist Sondertilgung nach 10 Jahren Vertragslaufzeit ohne Vorfälligkeitsentschädigung möglich, unabhängig von der Zinsbindung. Bei normalem Zinsbindungs-Ende ohne Vorfälligkeit. Der Bankwechsel ist Standard und wird über eine "Umschuldung" oder "Prolongation bei anderer Bank" abgewickelt.
Wie viel Zinsdifferenz rechtfertigt einen Bankwechsel?
Faustregel: ab 0,3 Prozentpunkten lohnt der Wechsel meistens, weil die Wechselkosten (neue Grundschuld, Notar) bei 0,2 bis 0,5 Prozent der Kreditsumme liegen. Bei 200.000 € Restschuld und 0,3 Prozent Zinsdifferenz über 10 Jahre Anschlussbindung sparen Sie etwa 6.000 €, gegenüber etwa 1.000-1.500 € Wechselkosten.
Was passiert wenn ich nichts mache?
Die Bank macht automatisch ein Prolongations-Angebot zu den aktuellen Konditionen, oft 0,2 bis 0,5 Prozentpunkte über dem Marktdurchschnitt. Wer das ohne Vergleich annimmt, zahlt typisch 5.000 bis 15.000 € mehr Zinsen über die nächste Zinsbindung. Ein 30-Minuten-Vergleich über zwei oder drei Anbieter ist hier die wirtschaftlich rentabelste halbe Stunde im Jahr.

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